August Mackes Tunisreise - Orte, die den Blick verändern

August Macke Tunisreise: Aquarell einer Stadtansicht mit Türmen, Mauern und Figuren. Farbenfrohe Darstellung nordafrikanischer Architektur.

Geschrieben von

Knut Peter

Veröffentlicht am

30. März 2026

Inhaltsverzeichnis

August Mackes Tunisreise ist vor allem eine Geschichte von Orten, die den Blick umstellen. Wer die Stationen kennt, liest die Aquarelle, Zeichnungen und Fotnotizen viel präziser, weil sichtbar wird, wie stark Macke zwischen Medina, Küste und Innenhof denkt. Genau darauf konzentriert sich dieser Text: auf die wichtigsten Plätze, ihre bildnerische Rolle und darauf, was man heute von ihnen noch erkennen kann.

Die Reise versteht man am besten über ihre Kontraste

  • Die berühmte Reise dauerte 14 Tage im April 1914 und führte Macke mit Paul Klee und Louis Moilliet durch mehrere sehr unterschiedliche Orte in Tunesien.
  • Zu den wichtigsten Stationen gehören Tunis, Sidi Bou Said, St. Germain beziehungsweise Ez-Zahra, Hammamet und Kairouan.
  • Tunis steht für Dichte, Marktleben und enge Stadträume, also für den Auftakt der Reise.
  • Sidi Bou Said und St. Germain zeigen die hellere, ruhigere Seite mit Blau-Weiß-Kontrasten, Küstenlicht und Rückzug.
  • Hammamet und Kairouan markieren zwei gegensätzliche Bildräume: offene Küste hier, geometrische Stadtklarheit dort.
  • Für das Verständnis der Bilder ist wichtig, dass Macke Orte nicht fotografisch kopiert, sondern in farbige Ordnung übersetzt.

Die wichtigsten Stationen der Reise

Ich ordne August Mackes Tunisreise nicht nach einem starren Reiseplan, sondern nach den Orten, die für das Werk wirklich etwas auslösen. Das ist die sauberste Lesart, weil hier nicht die Distanz zwischen den Städten zählt, sondern der Wechsel der Stimmungen: vom lauten Stadtraum zur stillen Küste, vom offenen Licht zur kompakten Stadtstruktur. Genau deshalb bleiben einige Namen bis heute im Gedächtnis hängen.

Ort Rolle auf der Reise Bildnerische Wirkung Heutiger Leseschlüssel
Tunis Ausgangspunkt mit Medina, Märkten und Blicken über die Dächer Dichte, Bewegung, akustische und visuelle Überfülle Der Ort erklärt, warum Macke so stark auf Rhythmus und Flächen reagiert
Sidi Bou Said Hellster Gegenpol mit blau-weißen Häusern und offenen Terrassen Klarheit, Ruhe, starke Hell-Dunkel-Kontraste Ideal, um Mackes Reduktion und seine Liebe zum Licht zu verstehen
St. Germain / Ez-Zahra Ruhiger Küstenort mit Sommerhaus und privaterem Tagesrhythmus Zurückgenommene Motive, Garten, Haus, Meer Zeigt die intime Seite der Reise jenseits der großen Stadtbilder
Hammamet Küstenstation mit Bucht und Fischerbooten Offene Linie, Leichtigkeit, weiche Horizontwirkung Gut für den Vergleich zwischen Bewegung und Form
Kairouan Innerer Höhepunkt der Reise mit dichter Altstadtstruktur Geometrie, Höfe, Mauern, Verdichtung Hier wird die Reise von der Impression zur Bildarchitektur

Wer diese Stationen so liest, versteht schnell, warum Tunis nicht einfach nur ein Ankunftsort ist. Die Stadt liefert den ersten Sog aus Geräusch, Enge und Blickachsen, während die anderen Orte den Blick in andere Richtungen schieben. Genau aus diesem Wechsel entsteht die Spannung, die Mackes Arbeiten bis heute trägt.

Tunis als Auftakt zwischen Medina, Souks und Dachlinien

Tunis ist der Ort, an dem die Reise für mich am deutlichsten akustisch beginnt. Die Medina, die Märkte und die Souks machen das Sehen unruhig, weil ständig etwas zwischen Vordergrund und Hintergrund passiert. Man bleibt nicht vor einem einzigen Motiv stehen, sondern wird von Ecken, Durchgängen, Lichtern und Schatten weitergeführt. Das August-Macke-Haus erinnert daran, dass die Künstler diese Stadt nicht nur sahen, sondern mit allen Sinnen aufnahmen: über Geräusche, Gerüche und Farben.

Genau das erklärt, warum Tunis für Macke mehr war als eine Kulisse. Er sucht hier nicht die perfekte Ansicht, sondern Material für ein neues Bildgefühl. Ich würde die Stadt deshalb als Schule des Sehens lesen: Der Blick lernt, Bewegung zu ordnen, und die Farbe lernt, sich gegen das Gewühl zu behaupten. Von hier aus wird verständlich, warum die kleineren Orte der Reise so stark ins Zentrum rücken.

August Macke Tunisreise: Aquarell einer Stadtansicht mit Türmen, Mauern und Menschen in leuchtenden Farben.

Sidi Bou Said und St. Germain als Orte des hellen Lichts

Sidi Bou Said ist der Ort, an dem die Reise fast plötzlich stiller wird. Die blau-weißen Häuser, Terrassen, Treppen und Höfe sind nicht spektakulär im touristischen Sinn, aber sie liefern Macke genau das, was er braucht: klare Flächen, harte Kanten und ein Licht, das Formen nicht verschluckt, sondern sichtbar macht. Gerade dort wird seine Vorliebe für eine geordnete, fast musikalische Bildstruktur besonders deutlich.

Noch interessanter ist St. Germain, das heutige Ez-Zahra. Hier liegt der private Gegenpol zur Stadt: das Sommerhaus am Meer, Baden, Malen, ein ruhigeres Arbeiten ohne den Druck der Medina. Für mich ist das wichtig, weil die Reise dadurch nicht nur exotisch oder urban wirkt, sondern auch alltäglich und konzentriert. Das Café des Nattes gehört in denselben Zusammenhang: kein Monument, sondern ein Ort, an dem ein Moment so prägnant wird, dass er ins Bild wandert. Gerade dieser Wechsel zwischen öffentlichem Raum und Rückzug macht die Reise als Orte-Erfahrung so glaubwürdig.

Nach Sidi Bou Said und St. Germain lohnt sich der Blick auf die beiden Gegenspieler Hammamet und Kairouan, weil dort sichtbar wird, wie unterschiedlich Macke auf Küste und Binnenland reagiert.

Hammamet und Kairouan zeigen zwei sehr unterschiedliche Bildräume

Hammamet ist die offene, küstennahe Seite der Tunisreise. Macke schaut hier auf die Bucht, auf Fischerboote und auf eine Landschaft, die weniger verdichtet als die Stadt wirkt. Das Bildgefühl bleibt beweglich, fast atmend. Es geht nicht um monumentale Architektur, sondern um eine leichte Ordnung aus Wasser, Booten und Horizont.

Kairouan ist das Gegenteil davon. Die Altstadt zieht die Formen zusammen, die Höfe werden enger, die Wände geschlossener, die Wege klarer. Das Metropolitan Museum of Art beschreibt Klees Kairouan-Erfahrung sinngemäß als einen Moment, in dem er die Farbe neu entdeckte. Genau das passt auch zu Macke, nur anders gewichtet: Bei ihm wird Kairouan zur Schule der Fläche. Die Stadt zwingt den Blick in eine fast architektonische Logik.

  • Hammamet steht für offene Küstenlinie und leichte Bewegung.
  • Kairouan steht für Dichte, Rhythmus und formale Disziplin.
  • Für Macke entsteht gerade aus diesem Gegensatz die Produktivität der Reise.

Damit stellt sich die wichtigere Frage: Wie liest man diese Orte heute, ohne sie mit einer bloßen Reiseroute zu verwechseln?

Wie ich die Orte heute lesen würde

Ich würde die Tunisreise nicht als Checkliste von Fotospots angehen. Der eigentliche Reiz liegt darin, dass Macke Orte verdichtet, Blickachsen verschiebt und Stimmungen in klare Farbordnungen übersetzt. Wer heute unterwegs ist, sollte deshalb nicht nach exakten Kopien der Bilder suchen, sondern nach den Mechanismen dahinter: Wo wird der Raum eng, wo öffnet er sich, wo kippt ein Alltagseindruck in Form?

Praktisch heißt das: Tunis und Sidi Bou Said liefern den besten Einstieg, wenn man den Kontrast zwischen Markt und Licht verstehen will. Kairouan ist für mich der wichtigste zweite Schritt, weil dort die Bildlogik am deutlichsten wird. Hammamet lohnt sich vor allem, wenn man die Küstenlinie als Gegenpol zur Stadt sehen möchte, und Ez-Zahra ist für alle interessant, die die ruhigere, private Seite der Reise nachvollziehen wollen. So gelesen wird aus einer Ortsliste eine sehr klare Erzählung über Wahrnehmung.

Das ist auch der Punkt, an dem die historische Reiseroute ihren größeren Wert bekommt: Sie zeigt nicht nur, wohin Macke fuhr, sondern wie ein Künstler aus Orten ein neues Sehen formt.

Was von August Mackes Tunisreise bleibt, wenn man die Orte kennt

Wer die Stationen kennt, versteht die Arbeiten besser, weil die Bilder dann nicht mehr wie isolierte Farbfelder wirken, sondern wie Antworten auf konkrete Räume. Tunis liefert Dichte, Sidi Bou Said Licht, St. Germain Ruhe, Hammamet Weite und Kairouan die strengste Form. In dieser Abfolge steckt die eigentliche Stärke der Reise: Sie ist kurz, aber ihre Wirkung ist lang, weil sie Macke und Klee eine andere Beziehung zwischen Ort, Farbe und Bild gegeben hat.

Für mich bleibt daraus eine einfache, aber nützliche Lesart: Nicht der exotische Ort an sich macht diese Reise bedeutend, sondern die Art, wie die Orte sich gegenseitig schärfen. Genau deshalb funktioniert August Mackes Tunisreise noch heute als Schlüssel zu den Bildern und als sehr präziser Blick auf den Orient jenseits bloßer Romantik. Wer das im Kopf behält, sieht in Tunis nicht nur eine Stadt, sondern den Anfang eines neuen Bildraums.

Häufig gestellte Fragen

August Macke besuchte auf seiner 14-tägigen Tunisreise im April 1914 mit Paul Klee und Louis Moilliet verschiedene Orte. Zu den wichtigsten Stationen zählen Tunis, Sidi Bou Said, St. Germain (heute Ez-Zahra), Hammamet und Kairouan.

Die Orte sind entscheidend, weil sie Mackes Blick und seine bildnerische Reaktion prägten. Jeder Ort bot unterschiedliche Kontraste – von der Dichte der Medina in Tunis bis zur Ruhe der Küste in Sidi Bou Said, was Macke half, neue Bildsprachen zu entwickeln.

Tunis stand für Dichte, Marktleben und enge Stadträume, die Macke zu rhythmischen und flächigen Kompositionen anregten. Sidi Bou Said hingegen bot helles Licht, klare blau-weiße Architektur und Ruhe, ideal für die Reduktion auf Formen und Lichteffekte.

Hammamet repräsentierte die offene Küstenlinie und Leichtigkeit mit Motiven wie Bucht und Fischerbooten. Kairouan hingegen stand für Dichte, Geometrie und eine fast architektonische Logik der Altstadt, die Macke zu einer starken Flächengestaltung inspirierte.

Man sollte nicht nach exakten Fotospots suchen, sondern die Kontraste der Orte erleben: die Enge in Tunis, das Licht in Sidi Bou Said, die Form in Kairouan. Es geht darum, zu verstehen, wie Macke aus diesen Eindrücken eine neue Bildsprache formte.

Artikel bewerten

Bewertung: 0.00 Stimmenanzahl: 0

Tags:

august macke tunisreise august macke tunisreise orte macke tunisreise stationen

Beitrag teilen

Knut Peter

Knut Peter

Nazywam się Knut Peter i od 15 lat zajmuję się kulturą, językami oraz historią Orientu. Moja fascynacja tym regionem zaczęła się w młodości, kiedy to po raz pierwszy zetknąłem się z bogactwem jego tradycji i różnorodnością językową. Od tamtej pory zgłębiam te tematy, starając się zrozumieć, jak kultura i historia wpływają na współczesne społeczeństwa. W swoich tekstach pragnę przybliżyć czytelnikom złożoność orientalskiej kultury oraz znaczenie języków w budowaniu tożsamości. Interesuje mnie, w jaki sposób historia kształtuje nasze postrzeganie dzisiejszego świata, a także jakie wyzwania stoją przed społeczeństwami w obliczu globalizacji. Chcę, aby moje artykuły były nie tylko informacyjne, ale także inspirujące, skłaniające do refleksji nad różnorodnością i bogactwem kulturowym, które możemy odkrywać w Orient.

Kommentar schreiben